Anamnese

Das ärztliche Gespräch

Die wichtigste Untersuchung bleibt das ärztliche Gespräch, trotz aller moderner technischer Untersuchungsverfahren. Sie gibt dem Arzt Informationen über die Beschwerden, die ein Patient an sich wahrnimmt. Es geht dem Mediziner aber nicht nur um die aktuellen Beschwerden (Symptome), sondern vielmehr um deren Entstehungsgeschichte und den Verlauf. Anhand dessen, wie ein Patient die Beschwerden vorbringt, wie lange, wie oft, in welcher Stärke und Ausprägung die Symptome vorhanden waren, welche Begleiterscheinungen aufgetreten sind, z.B. Kopfschmerzen zusammen mit Übelkeit und Flimmersehen, ob andere Personen in der Umgebung ähnliche Beschwerden aufwiesen, aktuell oder auch in der Vergangenheit, erhält der Arzt wichtige Hinweise, um welche Erkrankung es sich handeln könnte. All diese Informationen dienen dazu eine Diagnose zu stellen, was eigentlich nur bedeutet, dass man den vorgetragenen Beschwerden des Patienten einen, zumindest für Mediziner verständlichen Namen, gibt. Nicht völlig von der Hand zu weisen ist die Bemerkung von Nicht-Medizinern, dass wir Ärzte uns eine Sprache ausgedacht haben, die andere nicht verstehen, um uns mit dem Schein der Allwissenheit zu umgeben. Ein guter Arzt hingegen wird versuchen, zumindest vor seinen Patienten eine allgemeinverständliche Sprache zu wählen, denn nur ein Patient der versteht, was er eigentlich für eine Erkrankung hat, kann am Genesungsprozess aktiv mitarbeiten.

Körperliche

Untersuchung

Neben der Krankengeschichte ist die körperliche Untersuchung das wichtigste diagnostische Mittel. Auch sie ist in der Regel wichtiger, als die meisten technischen Untersuchungen. Sie hilft uns, nachdem wir die Anamnese gehört haben, am Körper des Patienten Hinweise zu finden, die uns zusätzliche Informationen auf dem Weg zur Diagnose liefern. Sie erfordert oft Zeit, Geduld und jedenfalls viel Erfahrung und ist vermutlich am Schwierigsten zu erlernen. Leider ist sie in vielen Bereichen der Medizin durch technische Untersuchungsmöglichkeiten weitgehend ersetzt worden, wodurch die Fähigkeit eine körperliche Untersuchung durchzuführen stark abgenommen hat.

Technische

Untersuchungsmethoden

Das EEG ist eigentlich eine sehr alte Untersuchungsmethode. Sie wurde 1924 vom deutschen Wissenschaftler Hans Berger an der Universität Jena entwickelt. Sie hat aber immer noch, trotz der bildgebenden Verfahren (Kernspin- und Computertomographie), einen hohen Stellenwert in der Neurologie, zum einen in der Epileptologie, aber auch beim Nachweis von bestimmten Krankheitsprozessen im Gehirn. Sie ist eine Methode, die uns Informationen über den Funktionszustand des Gehirns zur Verfügung stellt, deshalb konkurriert sie nicht mit den herkömmlichen bildgebenden Verfahren, auch wenn dies gelegentlich postuliert wird. Beim EEG werden auf der Oberfläche des Schädels verteilt Elektroden angebracht. Diese können die winzigen Ströme im Gehirn unterhalb der Elektrode messen und als Kurven darstellen. Diese Kurven haben charakteristische Muster, die zwar von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind, aber dennoch gewissen Normen entsprechen. Sind diese Kurven verändert, dann ist der Grund dafür im Funktionszustand des Gehirns zu finden. In Verbindung mit der Anamnese, dem Labor, kann der Arzt wertvolle Rückschlüsse auf eine mögliche Erkrankung ziehen.

Die Ableitung der sog. evozierten Potentiale ist eine Untersuchungsmethode, bei der ein wiederholter Reiz am Patienten gesetzt wird (Stromreizung an Extremitäten, Schallreiz am Ohr oder optischer Reiz am Auge). Gleichzeitig nehmen Ableite-Elektroden am Kopf die Verarbeitung der gesetzten Reize auf. Die dabei entstehenden winzigen Ströme der Gehirnstelle unterhalb der Elektrode werden durch wiederholte Durchläufe aufsummiert und als Kurve dargestellt. Das Ergebnis wird anhand von Normwerten beurteilt. Wir unterscheiden visuell evozierte Potentiale (VEP), somatosensibel evozierte Potentiale (SEP) und akustisch evozierte Potentiale (AEP). Sie dienen zur Beurteilung unterschiedlicher Systeme: Bei den VEPs wird der Sehnerv, die Sehbahn und der visuelle Cortex (Gehirnteil, der für das Sehen verantwortlich ist) beurteilt. Bei den SEPs beurteilt man den gesamten Gefühlsnerven an z.B. Armen und Beinen über das Rückenmark bis hoch zum Großhirn. Bei den AEPs wird das Hörsystem, der Hör- und Gleichgewichtsnerv sowie die Intaktheit des Hirnstammes getestet. Alle Methoden sind weitgehend schmerzlos und ungefährlich und erlauben Aussagen über die oben erwähnten drei Sinnessysteme. Die evozierten Potentiale liefern uns Hinweise auf Erkrankungen wie Nervenverletzungen, Tumore, Multiple Sklerose und andere mehr.

Die Dopplersonographie ist eine Untersuchungsmethode, die uns eine Aussage über den Zustand von Blutgefäßen erlaubt. Im Fachgebiet der Nervenheilkunde beschränken wir uns im wesentlichen darauf, die hirnzuführenden und einige im Gehirn befindlichen Arterien darzustellen. Es muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass wir nur in der Lage sind, größere Gefäße darzustellen, die kleinen und kleinsten Gefäße werden durch die Untersuchungsmethode nicht erfasst. Die Dopplersonographie beruht darauf, dass Ultraschall, der von einem Schallkopf ausgesandt wird, an den im Blut befindlichen Blutkörperchen reflektiert wird und wieder zum Schallkopf zurückkehrt. Je nachdem, wie schnell das Blut fließt, verändert sich die Tonhöhe des reflektierten Schalls. Ist ein Blutgefäß eingeengt, wie dies bei Arteriosklerose oft der Fall ist, so wird der reflektierte Schallton höher und schärfer. Die Darstellung der hirnzuführenden Arterien nennt man extrakranielle Dopplersonographie. Die Darstellung einiger wichtiger Gefäße im Schädel, die durch kleine natürliche Knochenlücken an der Schläfe und im Nacken erfolgt, nennt man transkranielle Dopplersonographie. Beide werden routinemäßig in unserer Praxis durchgeführt. Finden wir Veränderungen insbesondere im Bereich der hirnzuführenden Arterien, und hier sind vor allem die beiden vorderen Halsschlagadern (Carotiden) zu nennen, sollten weitere Maßnahmen erfolgen. Hierzu kann beispielsweise die Einleitung einer Blutverdünnung nötig sein; bei hochgradigen Einengungen der Gefäße, insbesondere, wenn kleine schlaganfallähnliche Episoden aufgetreten sind, durchaus aber auch eine Operation der Carotiden. Hierbei arbeiten wir eng mit anderen Fachärzten, insbesondere Internisten und Gefäßchirurgen zusammen.

Hierunter fällt die Messung der Nervenleitung in Gefühlsnerven und in motorischen Nerven. Die Gefühlsnerven leiten Empfindungen von allen Körperstellen zum Gehirn. Die motorischen Nerven wiederum leiten Bewegungsimpulse vom Gehirn zu den Muskeln und steuern deren Aktivität. Hierbei wird die Geschwindigkeit und die Stärke gemessen, mit der ein Nerv Impulse leitet. Die Leitungsstärke (= Amplitude des Nervensignals) sagt dabei etwas darüber aus, wie groß die Menge der leitenden Nervenfasern ist. Bei der Messung werden Oberflächenelektroden auf dem Zielmuskel oder Zielnerven angebracht und der zu messende Nerv in einiger Entfernung davon mit leichten Stromstößen gereizt. Aus der Zeit, die der Stromimpuls von der Reizstelle bis zum Ableite-Elektrode benötigt, errechnet sich dann eine Geschwindigkeit, die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG). Sie ist bei bestimmten Krankheiten verzögert. Am häufigsten ist die NLG bei Polyneuropathien verlangsamt und hier wiederum spielen vor allem die Zuckerkrankheit und übermäßiger Alkoholkonsum eine herausragende Rolle. Andere wichtige Erkrankungen bei der die NLG verzögert ist sind Nervenentzündungen (z.B. Borreliose) und Nervenengpass-Syndrome (druckbedingte Schäden meist an Armnerven). Am häufigsten tritt ein Engpass-Syndrom am sog. Mittelhandnerven (Medianusnerv) im Bereich des Handtunnels auf, man nennt die Erkrankung dann Carpaltunnelsyndrom (CTS). Es werden in unserer Praxis sowohl die motorischen (Bewegungsnerven) als auch die sensiblen Nerven (Gefühlsnerven) an Armen und Beinen gemessen. Des weiteren können wir die so genannte F-Wellen-Latenz an Armen und Beinen bestimmen. Sie misst die Zeit, die ein Stromimpuls bis zum Rückenmark und wieder zurück zum Muskel braucht und ist wichtig bei der Diagnostik von Bandscheibenvorfällen, Entzündungen der Nervenwurzeln (Polyradikulitis) und Beeinträchtigungen der Nervengeflechte (Plexus brachialis und lumbalis).

Elektromyographie (EMG) ist die einzige Untersuchungsmethode, bei der man für die Untersuchung mit einer dünnen Nadel in den Muskel sticht. Sie beruht auf der Tatsache, dass sich der von einem Nerv versorgte Muskel bei einem Nervenschaden charakteristisch verändert. Dies zeigt sich im EMG, bei dem die Muskelströme als Kurve und akustisch dargestellt werden. Mit Hilfe dieser Methode können auch bestimmte Nerven- von Muskelerkrankungen unterschieden werden. Es kann sich auch zeigen, ob ein Schaden am Nerven schon seit längerem besteht oder plötzlich aufgetreten ist. Zu den wichtigen Erkrankungen, bei welchen das EMG sehr aufschlussreich ist, gehören Lähmungsbeschwerden nach Bandscheibenvorfall, aber auch insbesondere die Muskelerkrankungen (Myopathien). Dies sind meist genetisch bedingte Erkrankungen, die relativ selten vorkommen und oft schon im Kindes- und Jugendalter festgestellt werden.

Therapeutische

Möglichkeiten

Unter Psychopharmaka versteht man Medikamente, die als Wirkort das Gehirn haben und psychische Prozesse regulieren und verbessern sollen. Man unterscheidet hierbei verschiedene Gruppen, die bei unterschiedlichen Krankheitsbildern eingesetzt werden. Als Wichtigste hiervon sind folgende zu nennen:

Dies sind Medikamente, die auf die Gehirnzentren wirken, die für die Befindlichkeit verantwortlich sind. Heutzutage nimmt man an, dass dieses Zentrum im Stirnhirnbereich und im so genannten limbischen System liegt. Die AD gleichen dort ein mögliches stoffwechselbedingtes Ungleichgewicht aus, das bedeutet, sie haben einen regulierenden Einfluss. Es sind keine Glückspillen, die man einsetzt, wenn man mal schlechte Laune hat. Sie entfalten Ihre Wirkung erst nach einigen Wochen und müssen deshalb regelmäßig über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Wichtig ist, dass sie keine Sucht oder Abhängigkeit erzeugen. Im Gegenteil: Sie haben anfangs Nebenwirkungen, die allerdings meist nach ca. ein bis zwei Woche deutlich abnehmen, bzw. vollständig verschwinden. Die Nebenwirkung sind eventuell störend, manche aber auch nützlich. Die Stärke der Nebenwirkungen kann leider nicht vorhergesehen werden. Mit viel Erfahrung gelingt fast immer eine befriedigende Besserung der Symptome. Der Nervenarzt wird in aller Regel zunächst langsam eindosieren und dann genügend lange und ausreichend hoch dosiert behandeln, evtl. auf andere Substanzen umsetzen. Antidepressiva können lange eingenommen, aber auch jederzeit wieder ohne Entzugssymptome abgesetzt werden. Antidepressiva bewirken eine Steigerung des Antriebes und der allgemeinen Stimmung. In unterschiedlichen Maße beeinflussen sie Unruhezustände, Ängste, den Schlaf und körperliche Symptome. Hier sind vor allem Schmerzen zu nennen (z.B. chronische Kopfschmerzen, aber auch die sehr häufig auftretenden Rückenschmerzen), genauso wie Beschwerden, die durch das vegetative Nervensystem vermittelt werden (z.B. Herzrasen, Magenschmerzen, Durchfälle, häufiges Wasserlassen, aber auch Ohrgeräusche und Schwindel). Antidepressiva unterscheiden sich zum einen in der Wirkung, zum anderen im Nebenwirkungsprofil, beides muss der Facharzt bei der Auswahl des geeigneten Mittels berücksichtigen. Man unterscheidet grob folgende Typen der Antidepressiva:

  • Tricyclische Antidepressiva:
    Z.B. Amitryptilin (Saroten) und Doxepin (Aponal) wirken beruhigend, schlaffördernd und werden in der Regel abends gegeben. Clomipramin (Anafranil) ist vermutlich das stärkste antriebssteigernde und Imipramin (Tofranil) das am stärksten angstlösende Antidepressivum. Typische Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Müdigkeit, Verstopfung, Appetitsteigerung. In der Regel sind die Nebenwirkungen (NW) erträglich, bei vielen auch gar nicht vorhanden. Treten sie auf, sollte das Mittel noch ca. 1 Woche weiter eingenommen werden, da die NW sich nach dieser Zeit oft abmildern oder verschwinden. Erst danach und bei weiter vorhandenen, stark störenden NW sollte es abgesetzt und ein anderer Typ AD vom Facharzt ausgewählt werden.
     
  • Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI)
    Citalopram (Cipramil), Sertralin (Zoloft), Fuoxetin (Fluctin), Paroxetin (Paroxat) u. A. machen in der Regel nicht müde, sondern eher wach. Sie steigern Antrieb, Schwung und Erhöhen die Lebensfreude, wirken gut gegen Ängste und Zwänge. Sie haben bei den meisten Patienten kaum Nebenwirkungen, manche Patienten bekommen jedoch innere Unruhe, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Übelkeit, Durchfälle und Appetitminderung. Falls diese Nebenwirkungen auftreten sollte man das Medikament noch ca. 3-4 Tage weiter einnehmen, denn bei einem Teil der Betroffen verschwinden diese Nebenwirkungen. Sind sie weiterhin vorhanden, sollte das Medikament abgesetzt werden. Verträgt man eine Substanz dieser Gruppe nicht, so verträgt man in der Regel auch alle anderen dieses Typs nicht.
  • Serotonin – Noradrenalin – Wiederaufnahme – Hemmer (SNARI)
    Venlafaxin (Trevilor), Duloxetin (Cymbalta) u.a. sind Antidepressiva, die vorwiegend über den Noradrenalinstoffwechsel wirken. Sie wirken sehr gut auf Antrieb und Schwung. Sie sind durch die Antriebssteigerung  eher unruhig machend und können deshalb nur begrenzt bei Depressionen mit innerer Unruhe und Anspannung eingesetzt werden. Weitere typische Nebenwirkungen sind Durchfälle und Schlafstörung. Sie treten zwar nicht häufig auf, aber wenn sie auftreten, müssen die Tabletten wegen Unverträglichkeit meist abgesetzt werden.
  • Mono – Amino – Oxidase – Hemmer (MAOI)
    Jatrosom und Aurorix sind Antidepressiva, die ebenfalls über den Noradrenalinstoffwechsel wirken. Sie sind stark antriebssteigernd, haben aber eine Reihe von Nachteilen, heutzutage haben sie deshalb ihre Bedeutung weitgehend verloren:
    • Es muss eine Diät strikt eingehalten werden (keine Schokolade, kein Käse und kein Rotwein).
    • Sie können mit oben genannten AD nicht kombiniert werden.
    • Das Umsetzten von MAO-Hemmern auf eine der obigen AD kann nur mit einer Therapiepause von mindestens zwei Wochen durchgeführt werden.
       

 

  • Lithium, ein anorganisches Salz, das zur Verstärkung der obigen Antidepressiva in Kombination verwendet wird. Da die Tabletteneinnahme sehr exakt erfolgen muss und das Mittel nur in einem engen Blutspiegelbereich wirkt und oberhalb des therapeutischen Bereichs rasch schnell zu Vergiftungserscheinungen führen kann, ist deren Einsatz nur bei Patienten mit guter Verlässlichkeit und Einsichtsfähigkeit einsetzbar. Nebenwirkungen: Veränderung des Schilddrüsenstoffwechsels, Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme.
     
  • Lamotrigin und Valproinsäure: Wie Lithium können sie zur Stabilisierung bestimmter depressiver Erkrankungen eingesetzt werden. Chemisch gesehen sind diese Substanzen Antiepileptika.
     
  • In sehr seltenen Fällen kommen bei Depressionen folgende Substanzen zum Einsatz: Ritalin oder Medikinet sind Amphetaminderivate, die im Kindesalter bei kindlichen ADS aber auch bei ADS im Erwachsenenalter, insbesondere bei massiver Antriebsstörung, oder aber auch Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung mit eingesetzt werden.

Dies sind Medikamente, die bei Psychosen (Schizophrenie), aber auch bei schweren Depressionen mit psychotischen Symptomen und bei massiven Unruhezuständen eingesetzt werden. In der Behandlung der Schizophrenie sind sie unabdingbare Substanzen die helfen, das Denken, das Fühlen und das Wahrnehmen zu normalisieren. Die Schizophrenie ist ebenfalls, genau wie die Depression, eine Erkrankung des Hirnstoffwechsels. Hierbei kommt es in bestimmten Gehirnarealen zu vermehrter Dopaminaktivität. Die Neuroleptika sind starke Dopaminhemmer. Diese Wirkung ist bei hohen Dosen dieser Medikamente – die gelegentlich in akuten Situationen im Krankenhaus zur Behandlung notwendig sind - so stark, dass die Patienten eine der Parkinsonkrankheit ähnliche Bewegungsstörung entwickeln (Parkinsonoid). Die Patienten zeigen dann ein kleinschrittiges, steifes Gangbild (roboterähnlich) und wirken wie apathisch oder wie manche sagen, „wie ferngesteuert“. Gerade diese Nebenwirkung hat das Bild der Psychopharmaka geprägt und unberechtigterweise Vorurteile gegenüber allen anderen Psychopharmaka entstehen lassen. Als Arzt kann man diese Vorurteile teils nur schwer überwinden, obwohl sie bei Neuroleptika in niedriger Dosierung sehr selten sind und bei Antidepressiva nie vorkommen. Andererseits muss man sich vor Augen halten, dass eine Schizophrenie bis vor ca. 25 Jahren fast immer eine dauerhafte Behandlung in der stationären Psychiatrie notwendig machte, während man heute - mit den modernen Neuroleptika und dem differenzierten, niedrig dosierten Einsatz älterer Neuroleptika mit geringen Nebenwirkungen, unter Einsatz einer regelmäßigen psychiatrischen Behandlung - fast alle Patienten zu Hause versorgen kann.

Die meisten älteren Substanzen gehören zu den typischen Neuroleptika, Clozapin und die neueren Medikamente zu den atypischen Neuroleptika. Das „typisch“ bezieht sich vorwiegend auf die Nebenwirkungen in Form der oben beschriebenen Parkinsonsymptome. Die älteren Neuroleptika sollen diese Nebenwirkungen, wie das Wort schon sagt, typischerweise machen, die neueren nicht. Dies ist allerdings nur die halbe Wahrheit, da die Nebenwirkungen der Neuroleptika sehr stark dosisabhängig sind. D.h. je höher die Dosis ist, die zur Bekämpfung der Symptome eingesetzt wird, desto mehr Nebenwirkungen treten auf, sowohl bei den typischen, als auch bei den so genannten atypischen. In hohen Dosen verursachen beide Typen parkinsonartige Symptome, die nach Dosisreduktion wieder abklingen. Bei früher langjährigem, sehr hoch dosiertem Einsatz von typischen Neuroleptika traten die gefürchteten, sog. Spätdyskinesien auf. Dabei handelt es sich um stereotype, unwillkürliche Bewegungen von Mund oder Gesicht, die sich nur schwer beeinflussen lassen. Diese Spätdyskinesien, die auch bei den älteren, typischen Neuroleptika selten sind, können bei den atypischen, neueren Neuroleptika noch gar nicht beurteilt werden, da viele Substanzen erst seit wenigen Jahren auf dem Markt sind.

• Typische Neurolptika: Haloperidol, Flupentixol, Fluphenazin, etc.

• Atypische Neuroleptika: Clozapin, Aripiprazol, Quetiapin, Ziprasidon, u.a.

Hierunter versteht man Medikamente, die schnell wirken (innerhalb ca. einer halben Stunde) und fast ausschließlich in akuten Situationen eingesetzt werden. Sie erzeugen - und darin liegt auch ihre Gefahr – neben der Müdigkeit auch Wohlbefinden. Werden sie regelmäßig eingenommen entsteht meist Gewöhnung, Wirkverlust und Abhängigkeit. In seltenen Fällen gibt es Patienten, die eine geringe Dosis auf Dauer ohne Wirkverlust einnehmen können. Ältere Patienten, die ein solches Mittel seit Jahren in niedrigen Dosierungen einnehmen und davon profitieren, sollten - mit Rücksicht auf das Lebensalter und aufgrund der Tatsache, dass ein Entzug nach jahrelanger Anwendung im hohen Alter unter ambulanten Bedingungen sehr schwierig ist - bei dem Medikament belassen werden. Um diese Substanzen, insbesondere wegen ihrer sehr gut angstlösenden Wirkung z.B. bei Panikattacken, einsetzen zu können, bedarf es einer ausgiebigen Aufklärung seitens des behandelnden Arztes bezüglich Nutzen und Gefahren; hier muss einerseits auf die Gefahr der Abhängigkeit hingewiesen werden, andererseits muss diese Gefahr aber auch relativiert werden, da das Mittel bei sporadischem Einsatz nicht abhängig macht. Typische Vertreter sind die Benzodiazepine, hierzu gehören Diazepam (Valium), Lorazepam (Tavor) u.A. In manchen Fällen leiden Menschen mit Depressionen nicht nur an den für Depressionen typischen Durchschlafstörungen, sondern auch an Einschlafstörungen. Für dieses Symptom gibt es seit einigen Jahren so genannte Benzodiazepinagonisten. Sie erzeugen nur in seltenen Fällen eine Abhängigkeit oder Gewöhnung und sind bei der therapieresistenten Einschlafstörung gelegentlich nicht wegzudenken. Durchschlafstörungen werden durch sie in der Regel nicht beeinflusst. Typischer Vertreter ist das Zopiclon.

Dies sind Substanzen, die zur dauerhaften Schmerzlinderung eingesetzt werden. Es sind somit keine Schmerzmittel. Sie haben in der Regel keine akute, sondern nur eine mittel- und langfristige Wirkung. Während gewöhnliche Schmerzmittel (z.B. Diclofenac, Ibuprofen, u.A.) bei längerfristiger Anwendung schädlich sein können (sie belasten insbesondere Magen, Niere, Leber) oder Morphiumpräparate eine Abhängigkeit bedingen können mit Wirkverlust und Dosissteigerung, verursachen die schmerzdistanzierenden Mittel dies nicht. Es sind fast ausnahmslos Substanzen, die für andere Erkrankungen entwickelt wurden und deren schmerzlindernden Effekt man erst später erkannte. Wichtigste Gruppen sind

• Antiepileptika: Mittel, die eigentlich gegen Epilepsie eingesetzt werden, typische Vertreter sind Pregabalin, Gabapentin, Carbamazepin.

• Antidepressiva und hier insbesondere die älteren tricyclischen AD (z.B. Amitriptylin)

• Neuroleptika in niedrigen Dosierung (z.B. Flupentixol).

Aus schmerztherapeutischer Sicht ist eine Behandlung chronischer Schmerzen ohne einen Behandlungsversuch mit obigen Substanzen als Kombinationstherapie, aber auch als Monotherapie, als nicht vollständig anzusehen. Man muss an dieser Stelle hinzufügen, dass die Behandlung chronischer Schmerzen und deren Linderung ein sehr schwieriges therapeutisches Unterfangen darstellt. Die besten Erfolge erzielt man, wenn fachübergreifend behandelt wird. Dazu gehört unbedingt auch ein schmerztherapeutisch erfahrener Nervenarzt, da der häufigste Grund für ein Versagen der schmerz-distanzierenden Therapie in der zu niedrigen Dosierung, in der zu kurzen Anwendungsdauer und der fehlenden Kombination von mehreren dieser Medikamente zu sehen ist.

Verhaltenstherapie
Jede psychische Krankheit oder jedes Symptom (z. B. Angst, Depression) kann als Resultat einer Verhaltenskette gesehen werden. Es ist die spontane, aber misslungene Antwort auf einen leib-seelischen Ungleichgewichtszustand. In der Verhaltenstherapie wird zuallererst danach geforscht, welche äußeren oder inneren Reize (Gedanken, negative Überzeugungen) ein Krankheitssymptom verursachen und warum es eigentlich nicht von selbst wieder verschwindet. Wir nennen das Verhaltensanalyse (VA). Aus dieser VA entwickeln Therapeut und Patient gemeinsam einen Plan, diese äußeren und inneren Krankheitsfaktoren bzw. Verhaltensketten durch alternative, positive Verhaltensmuster zu ersetzen, um die Krankheitssymptome abzuschwächen oder zu „löschen". Daher wird in der Verhaltenstherapie besonderer Wert auf aktive Arbeit an den Symptomen in der auslösenden Alltagssituation gelegt. Die Zeit zwischen zwei Sitzungen ist zum Erproben der vereinbarten neuen Handlungen und Denkmuster genauso wichtig wie die vorbereitenden Sitzungen selbst. Der Patient lernt die bisher scheinbar nicht willentlich beeinflussbaren Beschwerden (z. B. Angst, Zittern etc.) in seinem Sinne zu steuern. Er erlangt so Handlungskontrolle und Selbstwirksamkeit, was einen stark befreienden und heilenden Effekt haben kann. Der Patient erlangt seine persönliche Autonomie zurück.

Tiefenpsychologische Psychotherapie
Diese Art von Psychotherapie geht von der Annahme aus, dass die im Leben durchgemachten Traumata einen, über die Zeit der Traumatisierung hinausgehenden, negativen Effekt auf das Leben des Betreffenden hatten. Diese führen zu Krankheitssymptomen, insbesondere auch zu Ängsten. Als die Zeitspanne, in der wir am verletzlichsten sind und in dem sich Traumata am verheerendsten auswirken können, wird die frühe Kindheit (bis ca. 8. LJ) angesehen. Die Psychoanalyse ist die Reinform tiefenpsychologischer Psychotherapie und wurde von Siegmund Freud entdeckt und therapeutisch nutzbar gemacht. Die therapeutische Grundannahme der tiefenpsychologischen PT liegt darin, stattgehabte, jedoch unbewusste Traumatisierungen aufzuspüren, sie zu verbalisieren und zu verarbeiten und damit den Effekt der Traumatisierung im Gehirn zu löschen. Die klassische Psychoanalyse wird wegen der langen Therapiedauer, aber auch wegen der Tatsache, dass sie bei manchen Menschen zu einer Verschlechterung führen kann, nur noch sehr selten angewandt. Die tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie hingegen ist eine sehr hilfreiche und effektive Methode und wird häufig eingesetzt.

Naturheilverfahren
Einsatz bewährter Naturheilmittel zur Behebung diverser Beschwerden, insbesondere Schmerzen, Gedächtnisstörungen aber auch Infektionen.

Transkranielle Magnetstimulation
Eine schonende, nebenwirkungsfreie Methode zur zusätzlichen Behandlung von Depressionen und versuchsweise bei schwierigen Beschwerden, wie Ohrgeräusch (Tinnitus) oder auch zur Nikotinentwöhnung.

Die Trennung von Neurologie und Psychiatrie ist in manchen Fällen nicht eindeutig. Die noch beste Unterscheidung ist diejenige, die der Psychiatrie diejenigen Krankheiten zuordnet, die durch Störungen des Hirnstoffwechsels bedingt sind, wobei die organische Struktur des Gehirns meist nicht beeinträchtigt wird. Die Neurologie befasst sich hingegen in der Regel mit Erkrankungen, die Veränderungen oder Verlust von Gehirnsubstanz, Rückenmark oder peripherer Nerven nach sich ziehen.

Diese Aufteilung ist nicht eindeutig und manche Krankheiten müssen beiden Fachrichtungen zugeordnet werden. Wir betrachten immer beide Aspekte und unsere unterschiedlichen Fachspezialisierungen gewährleisten für Sie, unsere Patienten, ein Höchstmaß an Erfahrung und Wissen im Team.